Blog - VERLÄNGERUNG DER LEBENSDAUER VON ANLAGEN: SMARTERE INFRASTRUKTURÜBERWACHUNG

November 2017

Chris Emery, Business Development Manager für Bauwerksüberwachung bei Topcon Europe Positioning

Chris Emery, Business Development Manager für Bauwerksüberwachung bei Topcon Europe Positioning, untersucht, wie Technologien zur Bauwerksüberwachung dabei helfen können, künftige Infrastrukturanlagen zu bewerten.

Die Verlängerung der Lebensdauer von Anlagen ist ein Trendthema in der Branche, insbesondere aufgrund der starken Nachfrage im Infrastrukturbereich. Die Errichtung neuer Infrastrukturanlagen ist weiter ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt und in diesem Zusammenhang auch die Frage, wie sich deren Lebensdauer verlängern lässt. So wurden allein in Deutschland 270 Milliarden Euro für die Sanierung bestehender Infrastrukturprojekte eingeplant. In Großbritannien werden laut dem Arcadis-Bericht in den kommenden vier Jahren mehr als 28 Milliarden Pfund in die Infrastruktur investiert – allein in London. Wir müssen intelligenter arbeiten, um die Forderungen einer immer stärker urbanisierten Bevölkerung zu erfüllen. 

Momentan werden Überwachungssystemen eingesetzt, um zu bewerten, wie sich ein Bauwerk verhält. Das ist umso wichtiger, je näher das Ende der Entwurfslebensdauer rückt. Gerade in Europa, wo viele Infrastrukturanlagen nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurden, ist bei vielen Bauwerken das Ende der ursprünglich geplanten Nutzungsdauer fast erreicht. Doch diese Anlagen sind nach wie vor extrem wichtige Bestandteile der gegenwärtigen Infrastrukturnetze. Es ist daher extrem wichtig zu ermitteln, ob sie ihrem Zweck noch angemessen sind. Nur mithilfe von Daten können Instandsetzungen und Ersetzungen beurteilt und geplant werden. Für neue Infrastrukturanlagen können Überwachung und Datenerfassung mithilfe von Technologien viel intelligenter über die gesamte Lebensdauer der Anlage hinweg erfolgen.

Auf lange Sicht gebaut: Überwachung zukünftiger Anlagen

Es gibt heute einen Trend zum Einbau smarter Technologie in Infrastrukturprojekte. Ein Beispiel hierfür ist das Internet der Dinge (IoT). Es beeinflusst unser Leben in (fast) allen Bereichen: vom Büro bis in die Wohnung, ja sogar Küchengeräte sind heute „smart“. Diese Technologie gewinnt auch auf Baustellen zunehmend an Bedeutung.

Intelligente Anlagen setzen auf bereits in der Bauphase in die Struktur integrierte Sensoren zur Überwachung. So wird eine Art Nervensystem für das Bauwerk geschaffen, das eine kontinuierliche Echtzeitüberwachung für die gesamte Lebensdauer ermöglicht. Das Bauwerk kann somit von der Errichtungs- bis in die Instandhaltungsphase überwacht und bewertet werden. Dabei entstehen gewaltige Datenmengen, auf deren Grundlage Instandhaltungsentscheidungen gefällt werden, zum Beispiel die Anzahl der Personen, die eine Brücke überqueren, oder die Anzahl der Ventilöffnungen für einen Staudamm. Mithilfe traditioneller und moderner Überwachungstechniken lassen sich nützliche und wertvolle Daten sammeln. Das ist die Zukunft der Bauwerksüberwachung.

Ein langfristiger Ansatz

Ein Kernproblem für die Einführung dieser Art der Überwachung besteht darin, dass oft nicht geklärt ist, wer für den Einbau der Überwachungssysteme verantwortlich ist oder wem die Daten gehören. Momentan setzen Bauunternehmen die Systeme lediglich für die eigene Arbeit ein. Und es gibt nur selten kommerzielle Anreize dazu, über ein langfristig nutzbares Überwachungssystem nachzudenken.

Aktuell übernimmt – wenn überhaupt – der Anlagenverwalter die Verantwortung für den Einbau langfristig arbeitender Überwachungssysteme über die während der Bauphase genutzten Systeme hinaus. Zwar unterscheiden sich die Systeme für die Bauausführung und die langfristige Überwachung bezüglich ihrer Zielsetzung voneinander und werden daher meist separat konzipiert, doch grundsätzlich ist es effizienter und sinnvoller, ein einheitliches System zu entwickeln, das ganz auf das jeweilige Bauwerk ausgelegt ist. In der Bauphase kann ein beliebiges Tool zur Informationsbeschaffung innerhalb der Struktur erstellt werden. Das System ist für das Bauwerk maßgeschneidert, sodass alle Sensoren oder andere Techniken zur Informationsermittlung perfekt auf das Bauwerk abgestimmt werden können.

Was die Datenhoheit angeht, sind besondere Schutzmaßnahmen bezüglich der Datenfreigabe und -weitergabe zu bedenken. Insbesondere Ver- und Entsorgungseinrichtungen, zum Beispiel für die Energieversorgung, können für Schwachstellen anfällig sein. In diesem Zusammenhang erscheint die Übernahme der Verantwortlich für die Daten noch riskanter, denn wem auch immer die Daten gehören, der ist auch für ihren Schutz verantwortlich.

Der Bauherr oder der vertragliche Betreiber müssen letztendlich die Verantwortung für den Datenbesitz innehaben. Doch ebenso wichtig ist ein stabiles Schutzsystem für die in der Cloud gespeicherten Daten, damit diese nicht das Opfer von Hackern und Datenlecks werden. Datenschutz ist ein Thema, das im Rahmen der Bauwerksüberwachung an Bedeutung gewinnt. Fotogrammetrie und Laserscanning entwickeln sich zum Beispiel zu Branchenstandards, bei deren Nutzung gewaltige Datenmengen anfallen. Als Branche müssen wir unsere Systeme zukunftssicher gestalten, damit sie für die künftige Qualität und Quantität der Datenerfassung gerüstet sind.

Intelligentere Prozesse

Es gibt einen echten Bedarf für die Berücksichtigung einer langfristigen Instandhaltung und Anlagenverwaltung bereits in der Vergabephase, damit die Infrastrukturanlagen über die gesamte Lebensdauer wirklich wirkungsvoll und intelligent überwacht werden. Technologien wie Topcons Delta Solutions kombinieren die gesamte Hard- und Software zur Verwaltung von Infrastrukturprojekten: von der Bauausführung bis hin zur Anlagenüberwachung. So ist die Konsistenz über alle Phasen hinweg sichergestellt. Die Lösung unterstützt eine Vielzahl von Eingabe- und Ausgabedaten. Damit ist sie vielseitig und außerdem an beliebige Projektgrößen anpassbar.

Es ist extrem wichtig, sich auf den Umgang mit Daten bei bestehenden und neuen Infrastrukturanlagen zu konzentrieren, denn nur deren intelligente Handhabung bringt einen Nutzen. Der Einsatz smarter Technologie führt zu effizienteren Abläufen. Die korrekte Erfassung, der korrekte Besitz und ein grundlegendes Verständnis der Daten eines Projekts sind wesentlich dafür, dass wir die Infrastrukturen für das Heute und die Zukunft herstellen.

 

Medienanfragen:

Jen Hallam oder Hannah Todd von Tangerine

E: topcon@tangerinecomms.com 

T: 0161 817 6600

F: 0161 817 6601

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